Friday, November 7, 2008

Wüstenstädte

06.11.2008

Von Yazd aus kann man eine Rundtour durch verschiedene Wüstenstädte starten. Dazu "gönnten" wir uns ein Taxi (ca. 25€ für 10 Stunden, ein Großteil davon ist für den Fahrer Wartezeit). Wir stoppten ein Taxi mit dem Vorsatz, nur eines zu nehmen, dessen Fahrer auch englisch spricht. Bei zweiten wurde ich jedoch bereits schwach und erklärte ihm unser Vorhaben, d.h. ich nannte ihm die 4 Städte, zu denen wir wollten und gestikulierte einen Kreis für Rundtour. Er willigte ein und wir fuhren los - manchmal kommt man auch ohne Sprache aus.

Erster Stopp: Meybod

Wir hatten lediglich die vier Namen von attraktiven Zielen, keinen Stadt- oder sonstigen Plan, denn eigentlich erwarteten wir einen übersichtlichen Ort und wollten einfach drauflos laufen. Nun war selbst der historische Stadtkern groß, und unsere Ziele nicht gleich zu sehen. Die Sandburg war jedoch schnell gefunden, da sie leicht erhoben über der Stadt thronte. Vor verschlossenen Türen stehend sahen wir einen Iraner auf uns zu eilen, der uns die Pforten öffnete und die Tickets verkaufte. Und das vor neun Uhr, wenn die meisten Sehenswürdigkeiten öffnen – Glück gehabt. Die Burg war schon ziemlich zerlaufen, aber auf jeden Fall den Besuch wert.
Die anderen drei Sehenswürdigkeiten lagen zusammen, nur wo? Nachdem wir eine Weile durch die Stadt geirrt waren, gingen wir in ein öffentliches Gebäude – glauben wir zumindest. Niemand schien dort zu sein und ich wollte bereits weiter gehen, als Dominik eine Frau im Büro ausmachte. Diese versorgte uns mit Kartenmaterial (ungefähr DIN A3 Größe, wir mussten es immer auf- und zurollen) und Postkarten mit Zeichnungen unserer Ziele – natürlich kostenlos für uns planlose Touris, Geld wollte sie einfach nicht annehmen!
Dank ihrer Hilfe fanden wir schnell zu dem alten Posthaus inklusive Museum (nicht so spannend), einer Karawanserei (sah aus wie komplett nach gebaut, voller Tourischops) und einem Eishaus (das ähnelte der vermeintlichen Kornkammer, die wir in Kashan gesehen hatten). Alles in allem waren die drei Attraktionen weniger interessant und aufregend als der Weg dorthin.

Zweiter Stopp: Ardakan

Diese Stadt war auch größer als erwartet. Da wir jedoch keine speziellen Ziele anlaufen wollten, liefen wir einfach ein bisschen durch den historischen Teil der Stadt und stillten unseren Hunger mit Kamelkebap.

Dominik beim Stopp in der Wüste mit "seinem" Auto: einem Paykan

Dritter Stopp: Chak Chak

Ein Wallfahrtsort der Zarathustraer, da hier eine vor den Arabern fliehende Prinzessin mit einem Stock gegen den Felsen schlug und anschließend Wasser daraus hervorquoll (wem kommt die Geschichte nicht bekannt vor?).
Diesmal erwarteten wir eine Stadt, stattdessen fanden wir etliche in den Hang gebaute Hallen, die alle unbewohnt waren. Wir stiegen den Berg hinauf an den seltsamen Gebäuden vorbei und trafen oben den Tempel an. Dort konnten wir auch den Felsen bestaunen - das Wasser fließt noch heute.

Vierter Stopp: Kharanaq

Wir waren uns beide einig: Der Taxifahrer, der schon öfters mal während der Fahrt (also ohne anzuhalten) Mopedfahrer nach dem Weg gefragt hatte, fuhr mit maximaler Geschwindigkeit in die falsche Richtung. Wir nannten ihn nochmal den Zielort, aber er fuhr noch unbeirrt 15km weiter, bevor er dann doch wendete ;-)
Das Ziel selbst war ein fantastischer Abschluss einer tollen Tour: Landschaftlich reizvoll, ein guter Einblick über die Bewässerungsanlagen inklusive einem alten Aquädukt, und eine langsam zerfallende Geisterstadt. Durch diese Lehmgebäude liefen wir, und es war ein ganz besonderes Abenteuer, in den Ruinen der bis zu dreistöckigen Gebäude einen (sicheren) Weg zu finden. Und an jeder Ecke offenbarte sich ein neuer Blick auf die umliegende Gegend, an jeder Ecke wirkte die Ruinenstadt anders.

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